Der erste Schnee

Eines Abends stand ich mal wieder draußen vor dem Stall und ließ mir genüsslich von Susanne den dicken Winterpelz kraulen. Ihr Menschen könnt euch ja sicher gar nicht vorstellen, wie das manchmal juckt unter der dicken Wolle! Vor allem auf der Kruppe, da hab ich ja sogar Locken, so lang ist mein Fell!

Genießerisch reckte ich den Hals und drehte den Kopf seitlich, Nase in die Luft. - Aber halt, was war denn das? Etwas Kaltes fiel mir auf die Nüstern und verschwand. Na sowas! Während ich mich noch wunderte, passierte es noch einmal. Und wieder. Immer schneller! Lauter kleine weiße kalte Dinge fielen aus heiterem Himmel und kitzelten mich in den Nüstern. Das waren eindeutig keine Regentropfen! Da stimmte doch was nicht!

Mittlerweile hatte Susanne auch bemerkt, dass hier etwas anders war als sonst. Typisch Mensch reagierte sie ganz anders, als ich es erwartet hätte. Sie jubelte laut und freute sich unbändig über die weißen kalten Teile. Also nee, ich sage euch, Menschen... Zum Glück kraulte sie mir noch weiter das Fell. Dabei erzählte sie was von Schnee. Wer oder was war Schnee? Klang ähnlich wie Klee, aber der wuchs momentan nirgendwo mehr. Nach kurzem Nachdenken war mir klar, dass diese weißen Teile wohl den Namen "Schnee" hatten. Nun gut. Um eine Erkenntnis reicher legte ich mich müde ins Stroh, als Susanne schon längst ins Haus gegangen war.

Am nächsten Morgen dachte ich erst, ich hab nen Sehschaden. Vor dem Stall war alles weiß, und sogar Mama, die eigentlich dunkelbraun ist, hatte plötzlich ein geschecktes Fell! Große weiße Flecken hatte sie auf dem Rücken! Häää??? Vorsichtig trat ich aus dem Stall und erforschte die weiße Masse. Das Zeug gab unter meinen Hufen nach. Anscheinend konnte man darauf laufen. Noch ein Schritt, und noch einer... und erstmal Frühstück an Mamas Milchbar. Danach machte ich mich daran, meine neugierige Nase in die weißen Dinger zu stecken. Huch, war das kalt! Erschrocken prustete ich, und die winzigen weißen Teile flogen auf. Hatte ich sie erschreckt? Aber sie waren schon wieder auf dem Boden gelandet. Merkwürdig!

Zum Glück war die Welt sonst noch in Ordnung, wie üblich kam Susanne mit dem Frühstücksheu und zwei Eimern Wasser. Sie schimpfte und fluchte allerdings heute ziemlich, während sie unsere Pferdeäppel vom Paddock sammelte. Anscheinend machte ihr das lustige Suchspiel keinen Spaß. Hatten doch die kleinen weißen Dinger alles zugedeckt, hihi! Nach ein paar Minuten zog unser Frauchen auch schon wieder von dannen, grad mal ne halbe Schubkarre voller Äppel hatte sie gefunden. Mageres Ergebnis!

Zur Mittagszeit durften wir endlich mal wieder raus auf die Weide! Jappaduuuu! Titan jagen, mit ihm kämpfen und ordentlich herumrasen, darauf freute ich mich schon den ganzen Vormittag! Doch Moment mal, was hatte er denn heute? Kaum waren wir auf der großen Koppel, ließ er sich fallen. Besorgt ging ich zu ihm hin. Laut stöhnend wälzte er sich hin und her. Hoffentlich war er nicht krank! Mein liebster Spielkamerad! Aber da stand er auch schon wieder auf. Glück gehabt. Jeoch nicht lange, er schaffte gerade mal drei Schritte, bevor er wieder in den Schnee fiel. Und wieder wälzte er sich rastlos herum. Diese Prozedur wiederholte sich noch viele Male, bis sich Titan endlich schüttelte und begann, mit mir zu spielen. So, als wäre nichts gewesen.

Gemeinsam mit Mama galoppierten wir ein paar Runden auf der Koppel bis ich einfach nicht mehr konnte. Leute, ich sage euch, es ist tierisch anstrengend, in diesem Schnee zu rennen! Selbst meine langen Beine nützen da wenig. Als wir prustend und schnaubend am Koppeltor bremsten, stand auch schon Susanne dort. Während unserer Fitnessrunde hatte sie ausgemistet, heißes Wasser nachgefüllt und Möhren in unsere Futterkrippen verteilt. Nachdem ich Hunger und Durst gestillt hatte, musste ich mich allerdings erstmal ausruhen. Wie gut, dass mein Mensch frisches Stroh in den Stall gebracht hatte! Wenn man diese Wesen richtig erzieht, sind sie echt zu gebrauchen! ;-)

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