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Hallo, nun ist es endlich soweit! Meine Besitzerin hat mir auch eine eigene Seite auf ihrer Homepage gewidmet!

Ups, vielleicht sollte ich mich erstmal vorstellen. Mein Name ist "Gentle Princess of Sunlight", allerdings werde ich meist "Sunlight" gerufen. Den Kosenamen "Prinzesschen" hat sich meine Chefin ganz schnell wieder abgewöhnt, sie meinte, das würde mich in meinen gelegentlichen Anfällen von Zickigkeit nur bestärken. So ein Quatsch! Ehre, wem Ehre gebührt, oder?

Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass es sich bei mir um ein Exemplar der Rasse Pferd handelt. Sieht man ja. Geboren wurde ich - nach langem Rumliegen im mit der Zeit ziemlich eng werdenden Bauch meiner Mutter "Grasslady" - am 30.Mai 2002 abends um viertel vor elf. Das weiß ich deshalb so genau, weil Susanne (das ist meine Besitzerin) immerhin 13 Nächte im Stall geschlafen hat, damit sie meine Ankunft nicht verpasst. Ich sage euch, das war ein Stress! Ich wollte ja gern raus aus dem engen Bauch, aber dass es gleich so schnell gehen muss und so anstrengend ist, hätte ich nicht gedacht. Nach einer guten halben Stunde war alles vorbei, sagt Susanne. Mir kam es jedoch ewig vor, bis ich mich endlich durch diesen engen Ausgang gewurschtelt hatte und mal auf eigenen Beinen stehen durfte.

Kaum hatte ich es gescahfft, mich mal ein paar Minuten auf meinen recht langen Beinen zu halten, bekam ich riesigen Hunger! Dummerweise regte sich meine Mama immer ganz doll auf, wenn ich in Richtung Milchbar stakste. Völlig empört drehte sie sich um und wieherte ganz aufgeregt.Dabei drehte sie ihr Hinterteil von mir weg. Ja verflixt, wie sollte ich denn da trinken? Zum Glück hatte Susanne Mitleid mit mir und eine Flasche für Menschenfohlen parat. Während ich erschöpft ins Stroh fiel und Mama mir über's Fell leckte, zapfte sie die Milchbar an und servierte mir kurz darauf im Liegen mein erstes Fläschchen. Nicht übel, dachte ich mir, so lasse ich mir das Leben gefallen! Und jedes Mal, wenn ich nach ein paar Schritten um Mama herum (die sich ständig herumdrehte und mich beobachtete, als ob ich plötzlich verschwinden würde oder so) hungrig gebrummelt habe, sprang Susanne sofort auf und holte Nachschub. Es war wohl schon mitten in der Nacht, als Mama sich auch ins Stroh legte und tatsächlich einschlief! So eine Frechheit! Ich war doch grad hellwach! War wohl doch zu viel für die Gute, so ein wunderschönes Fohlen zur Welt zu bringen. ;-)

Am nächsten Morgen wollte Mama mich noch immer nicht aus den Augen lassen. Susanne war schon völlig genervt, weil sie ständig melken musste und noch nicht eine Minute geschlafen hatte. Sie zog meiner Mutter so ein buntes Teil über den Kopf und stellte sie neben zwei lange Teile, die hoch in die Luft ragten und oben ganz grün waren. Dann schob sie mich an Mamas Seite. Klar, ich versuchte natürlich sofort, mir einen Platz an der Milchbar zu sichern. Mama bekam wieder Panik und wollte sich umdrehen, aber die beiden Bäume waren im Weg, sie konnte sich nicht umdrehen. Endlich konnte ich mal so viel trinken, wie ich wollte! Nach einem ordenlichen Frühstück habe ich schließlich meine langen Beine eingeklappt und erstmal 'ne Runde geschlafen.

Im Laufe des Vormittags hat Mama dann auch kapiert, dass ich nicht gleich verschwinde, wenn ich mal nach hinten gehe. Wir durften auch sofort nach Sonnenaufgang raus auf eine große Wiese. Fand ich ziemlich klasse dort, man konnte sogar schnell laufen, ohne gleich an die nächste Wand zu rennen. Klar, dass ich erstmal meine Beine ausprobieren musste. Wie Susanne nachts schon bemerkt hatte, waren die nicht ganz grade geraten, sie nannte es "schrecklich durchtrittig". Keine Ahnung, was das bedeutete, aber ich hatte genug damit zu tun, die vier langen Dinger zu sortieren beim Laufen.

Während ich also meinen drei Hauptbeschäftigungen nachging - trinken, schlafen und Beine ausprobieren - hörte ich plötzlich jemanden wiehern. Klang ganz anders als Mama! Und tatsächlich, auf der anderen Seite vom Zaun stand noch ein Pferd! Groß und weiß war es und lief aufgeregt hin und her. Da musste ich ja gleich mal gucken gehen! Das war wohl keine so gute Idee, denn Mama lief wütend hinter mir her, überholte mich und biss über den Zaun hinweg in die Luft. Offensichtlich mochte sie das andere Pferd nicht. Ich wollte aber doch sooo gerne nur mal kurz...

Plötzlich kam Susanne mit einem fremden Menschen zu uns. Er kraulte mich erst ein bisschen und plötzlich piekste mich irgendetwas. Was sollte das denn? Als Susanne mich aber weiter kraulte, hatte ich dieses unangenehme Gefühl schon wieder vergessen. Die beiden unterhielten sich über mich und meine Beine. Irgendwie schien Susanne ganz schön besorgt um mich, warum bloß? Der fremde Mann meinte dann, sie solle jeden Tag mehrmals mit mir auf hartem Boden spazieren gehen, dann würden die Beine von ganz allein besser werden. Komisch, was hatten die bloß? Meine Beine funktionierten, ich konnte laufen und aufstehen und mich hinlegen - reicht doch, oder?

Schon kurz darauf bekam Mama wieder so ein buntes Teil um den Kopf, das "Halfter" hieß. Ich glaube, Menschen können zaubern! Wie sonst ist es zu erklären, dass dort, wo eben noch ein Zaun stand, plötzlich ein Durchgang war? Vorsichtshalber blieb ich ganz dicht hinter Mama. Die schien sich hier nämlich schon ganz gut auszukennen. Das andere Pferd wieherte ganz aufgeregt, als wir weg gingen. Und Mama schaute sich ziemlich oft nach mir um. Also beschloss ich, doch lieber vor ihr zu laufen, damit sie mich sieht. Das war wirklich ein sehr spannender Ausflug! Susanne gab Mamas Führstrick an einen Mann, den sie Peter nannte, und lief mit einem kleinen Kasten, der immer "Klick" machte, mal hinter und mal vor uns her. Ständig hielt sie sich das Ding vor's Gesicht und schien sich über irgend etwas zu freuen. Menschen sind komisch.

Hinterher war ich hundemüde und musste erstmal lange in der Sonne schlafen. Meine Mama scheint ein sehr kluges Pferd zu sein, denn sie stellte sich oft so hin, dass die Sonne nicht mehr auf mich drauf schien. Das war praktisch, denn zwischendurch wurde es schon ganz schön warm. Woher wusste sie das bloß? Susanne und Peter kamen noch mehrmals vorbei und lobten meine Mama und mich und freuten sich einfach. Wirklich nett! Nur das arme andere Pferd durfte mich nicht besuchen, und ich durfte auch nicht an den Zaun, dann kam Mama sofort und jagte mich weg. Hm...

Zum Glück gibt es außer der Wiese, auf der wir am ersten Tag waren, noch andere Wiesen. Eine ist ziemlich groß, und schon bald durfte das weiße Pferd, welches "Titan" genannt wurde, mit uns gemeinsam auf die Koppel. Jetzt hatte ich eine weitere interessante Beschäftigung: Irgendwie musste ich es schaffen, dieses Tier näher kennen zu lernen, ohne dass Mama mich wegscheuchte. Insgesamt habe ich dazu eine ganze Woche gebraucht. Mama hat sich vielleicht angestellt!!! Sie hat Titan sogar gebissen und getreten, wenn er mal näher als zehn Meter an mir dran war. Gemein!

Mittlerweile ist mein "Onkel Titan" sowas wie ein Babysitter, sagt Susanne. Er spielt mit mir, gibt mir was von seinem Futter ab und krault mir den Rücken mit seinen langen Zähnen. Meine Mama sehe ich auch nur ab und zu, wenn ich Durst habe. Hier gibt es ja soooooooo viele interessante Sachen zu entdecken! Am Rande der Weide zum Beispiel stehen ganz viele Bäume sehr dicht beieinander. Leider kann ich dort nicht hingehen, weil der Zaun davor ist. Aber ich passe natürlich immer gut auf, was dort im Wald los ist. Ich habe schon viele lustige Tiere entdeckt: Einige sind klein und pummelig, haben lange Ohren und hüpfen wie ein buckelndes Pferd. Andere sehen fast aus wie ein Pferd, nur kleiner. Sie haben lange, dünne Beine (genau wie ich!) und ein rotbraunes Fell. Nur der Schweif fehlt. Überhaupt sind diese sogenannten Rehe sehr sonderbar, manchmal springen sie in rasendem Tempo aus dem Wald, mitten zwischen den Elektrobändern des Zaunes durch, quer über unsere Weide und auf der anderen Seite wieder raus, bis sie im nächsten Wald verschwinden. Schade, dass sie es immer so eilig haben, ich würde ja gerne mal mit ihnen spielen.

Ach ja, der Zaun ist übrigens auch eine bemerkenswerte Erfahrung für mich gewesen. Von Anfang an fand ich es ganz hübsch, dass unsere Weide mit einer weißen Grenze eingefasst war, damit auch kein Fremder sich hierher verirrt. Eines Morgens wollte ich jedoch auch mal die restlichen Wiesen rundherum erkunden. Dummerweise war grad kein Mensch zur Stelle, der mir den Zaun hätte öffnen können, also versuchte ich es auf meine eigene Art. Da ich mittlerweile schon vier Zähne hatte, biss ich beherzt in dieses dünne weiße Band. Dürfte ja wohl kein Problem sein, den Weg in die Freiheit zu ebnen. Urplötzlich jedoch ging ein Ruck durch meinen ganzen Körper und vor Schreck ließ ich das Band los. Was war das denn für ein fauler Zauber? Meinen Entschluss, den Zaun zu öffnen, hatte ich zum Glück bei dem Schreck nicht vergessen und ging frohgemut wieder ans Werk. Doch kaum hatte ich mit meinen Zähnen wieder das weiße Band erfasst, war da wieder dieser böse Ruck und es kribbelte ganz eklig unter dem Fell. Verständnislos lief ich zu Mama, um erstmal wieder etwas zu trinken. Grad als ich mich zum Schlafen niederlegte sah ich, wie Titan ganz dicht an den Zaun heran ging. Ha, mein lieber guter Onkel hatte geahnt, was ich wollte und war bereit, mir zu helfen! Wie nett! Doch nein, er senkte den Kopf, rupfte ein paar Grashalme unter dem Zaun und klappte dabei doch tatsächlich sein linkes Ohr ein. Es sah aus, als wolle er um alles in der Welt vermeiden, den Zaun zu berühren. Nachdenklich schlief ich ein. Kurz darauf kam Susanne auf die Koppel, um uns zu besuchen. Sie fasste den Zaun an und öffnete ihn. Ohne dass ihr etwas passierte! Kein Ruck, kein Zittern! Völlig verdutzt starrte ich sie an. Als sie einige Zeit später wieder ging, konnte sie den Zaun auch wieder berühren, ohne dass ihr etwas passierte. Das konnte doch nicht sein! Ein weiteres Mal biss ich hinein in das Band und ein weiteres Mal kam dieser Schlag aus heiterem Himmel. Ich muss wohl akzeptieren, dass Menschen magische Wesen sind, die den Zaun öffnen können. Auf jeden Fall werde ich weiter dranbleiben um herauszufinden, warum das so ist!

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